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Whisky-Tasting – Wie wird Whisky richtig verkostet?

Noch vor einigen Jahrzehnten, gar nicht so vielen, waren Whiskytrinker noch in zwei Stereotypen eingeteilt. Zum einen gab die älteren Herren, die mit spitzen Fingern an ihren Nosing-Gläsern nippten und Zigarren paffend über Gott und die Welt philosophierten. Auf der anderen Seite gab es die wilden Cowboys, die mit dicken Tumblern ausgerüstet, in denen Eiswürfel klimperten, an der Bar dem weiblichen Geschlecht schöne Augen machten. Wir übertreiben es mit den Schubladen vielleicht ein bisschen. Doch irgendwie haben Sie doch jetzt auch beide Bilder im Kopf, oder? Gut, dass sich dies in den letzten Jahren geändert hat. Der Whisky, und dessen Genuss ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Mit dem Whisky kam auch das Whisky-Tasting. Beim Besuch in der Destillerie, in Workshops zum Whisky oder aber einfach mit Freunden – immer stellt sich die Frage: Wie wird Whisky richtig verkostet? Wir haben die Antwort.

Whisky-Tasting – was ist das eigentlich?

Unter Weinliebhabern ist das Tasting, die Weinprobe, schon lange ein ausgeklügeltes Prozedere, welches genauen Ritualen folgt. Unzählige Ratgeber erklären, welche Gläser man verwenden soll, welche Weine man verkostet und in welchen Schritten eine solche Weinprobe abläuft. Ist das beim Whisky genauso? Ja, ein Whisky-Tasting läuft in vergleichbaren Schritten ab. Es ist wichtig, welche Whiskys man in welcher Reihenfolge verkostet, wie warm oder kalt der Whisky sein darf und aus welchen Gläsern man den Whisky trinkt.

Wenn Sie zu einem professionellen Whisky-Tasting gehen oder Whisky im Rahmen einer Führung in einer Brennerei verkosten, dann kümmert sich der Veranstalter darum, dass das Drumherum stimmt. Sie müssen nur noch den Whisky richtig verkosten. Zwar wird dies immer auch vorher noch einmal erklärt, aber es kann nicht schaden, wenn Sie sich schon ein bisschen auskennen. Deshalb wollen wir Ihnen die vier Schritte beim Whisky-Tasting beschreiben.

Der Ablauf eines Whisky-Tasting

Die vier Schritte, denen Sie beim Verkosten von Whisky folgen, beziehen drei wichtige Sinnesorgane ein: das Auge, die Nase, und die Zunge bzw. den Gaumen. Bevor man den Whisky richtig verkostet, begutachtet man ihn mit den Augen. Danach folgt die Nase, um die Aromen und Düfte des Whisksy zu erriechen. Erst dann folgt der erste Schluck, um das feine goldene Wasser des Lebens zu schmecken. Im letzten Schritt dann ergründet man, wie lange der Whisky nachklingt.

Das Auge trinkt mit – die Optik

Sobald der erste Whisky im Nosing- oder Glencairn-Glas eingeschenkt ist, beginnt das Tasting, und zwar mit den Augen. Schauen Sie sich die Farbe des Uisge Beatha (Gälisch für Wasser des Lebens) genau an, denn sie kann erste Hinweise auf den Geschmack geben. Ist der Whisky eher hell, strohgelb, oder glänzt er wie Bernstein oder ein dunkler Honig?

Helle Whiskys sind oft frisch und fruchtig, dunklere hingegen deuten auf eine Lagerung im Ex-Sherry-Fass hin, sind würziger, süßer und komplexer. Doch Vorsicht: viele Whisky-Hersteller helfen bei der Farbe mit Zuckercouleur nach. Das Auge kann einen in dieser Hinsicht also durchaus trügen.

Betrachten sie die Farbe und die Schlierenbildung des Whiskys.
Betrachten Sie die Farbe und die Schlierenbildung des Whiskys.

Nun schwenken Sie den Whisky ein wenig. Mit dieser Bewegung können Sie die Textur des Whiskys erfassen. Bilden sich träge Schlieren am Glasrand, die langsam, fast wie Öl, herunterlaufen? Dann hat der Whisky wahrscheinlich einen relativ hohen Alkoholgehalt. Diese Schlieren nennt man übrigens auch gern Tränen oder Kirchenfenster.

Der Duft eines Whiskys – das Nosing

Um dem Geschmack des Whiskys ein wenig näher zu kommen, erfolgt vor dem ersten Schluck ein ausgeprägtes Nosing. Sie riechen also erst einmal ausgiebig am Whisky, ehe er die Zunge und den Gaumen umspielen darf.

Bewegen Sie Ihre Nase relativ dicht an das Glas heran und nehmen Sie die Düfte, die Ihnen entgegenströmen auf. Denken Sie aber daran, dass Sie Ihre Nase nicht zu beherzt und tief ins Glas stecken, denn Whisky ist hochprozentiger Alkohol, der auch gern einmal in der Nase brennt. Sie werden wahrscheinlich nicht sagen, dass Sie eine Süße riechen, sondern eher an Honig, Vanille oder Toffee, vielleicht an Apfelkuchen oder Kekse denken. Genau das ist es, wie unser Geruchssinn funktioniert. Wir verknüpfen Gerüche oft mit Essen, mit Erinnerungen, die ein guter Whisky mit seinen komplexen Aromen in uns weckt.

Lassen Sie das Glas nun eine Weile stehen, verarbeiten Sie die aufgenommenen Gerüche. Gönnen Sie Ihrer Nase eine Pause, riechen Sie beispielsweise einmal an Ihrer Haut. Dann nehmen Sie das Whisky-Glas noch einmal an die Nase. Sie werden jetzt wahrscheinlich neue Aromen bemerken. Bewegen Sie das Glas jetzt einmal hin und her. Merken Sie, dass Sie mit dem einen Nasenloch andere oder mehr Gerüche wahrnehmen? Das ist ganz normal, ein bisschen wie bei Rechts- und Linkshändern kann ein Nasenloch mit mehr oder größeren Rezeptoren ausgestattet sein.

Warum ist das Nosing so ausgiebig?

Haben Sie schon einmal bei einem Whisky-Tasting zugesehen, vielleicht ein Video auf YouTube gesehen? Dann ist Ihnen wahrscheinlich aufgefallen, dass ein großer Teil der Zeit der Nase, dem Nosing gewidmet wird. Nur recht kurz ist dann der eigentliche Geschmackstest. Die Experten nehmen sich so viel Zeit für das Nosing, weil die Nase und nicht der Gaumen, das Organ ist, welches die meisten Geschmacksrezeptoren hat. Vielleicht erinnern Sie sich an Ihren letzten Schnupfen und den faden Geschmack der meisten Gerichte und können dies nun eher nachvollziehen. Das Nosing ist in Expertenkreisen fast noch wichtiger als der Geschmackstest. Es gibt drei Primärfarben, vier primäre Geschmäcker und sage und schreibe 23 solcher Gerüche, mit denen die Kenner einen Whisky allein am Geruch bewerten. Sieben Hauptgruppen mit jeweils mindestens drei feiner definierten Aromen gibt es. Doch keine Angst, Sie müssen diese nicht alle erriechen. Riechen Sie Walnuss? Dann haben Sie die Hauptgruppe der Öle erkannt und feiner definiert. Duftet der Whisky nach Gras, dann sind dafür Aldehyde verantwortlich. Probieren Sie es einfach mal aus.

Gaumen und Zunge – das Tasting

Nun kommt der Whisky aus dem Glas auf die Zunge und in den Gaumen. Nehmen Sie nur einen kleinen Schluck. Schlucken Sie den Whisky aber nicht gleich herunter. Auch sofortiges Kreisen und Schlürfen ist jetzt noch nicht nötig. Zunächst lassen Sie den Whisky kurz auf der Zunge liegen. Wenn der Alkohol anfängt, sich aus dem Vordergrund zurückzuziehen, beginnen Sie den Whisky ein wenig im Mund zu bewegen. Nun werden Sie die vielen Aromen und Nuancen auch schmecken können. Dafür nehmen Sie gleich einen zweiten (kleinen) Schluck hinterher. Viele Experten ziehen und schlürfen, teils recht lautstark, beim Whisky-Tasting. Das ist kein schlechtes Benehmen; das machen Wein-Sommeliers ganz genauso. Es dient dazu, etwas Frischluft mit einzuziehen, während man den feinen Nuancen des Whiskys auf die Spur kommen will. Allerdings reicht auch ein tiefes Einatmen durch die Nase, um diesen Effekt zu erreichen.

Was schmecken Sie? Ähneln sich die Eindrücke des Riechens und des Schmeckens? Haben Sie den Honig auch auf der Zunge, oder treten jetzt andere Aromen in den Vordergrund? Schmecken Sie Blumen, Heidekraut oder Wein? Haben Sie das Gefühl, auf Holz zu kauen, oder ist es eher ein warmer Vanillepudding, den Sie im Mund haben? Versuchen Sie, so viele Assoziationen wie möglich herzustellen. Scheuen Sie sich nicht, an Dinge zu denken und laut auszusprechen, die man mit einem Getränk, speziell einem Whisky gemeinhin nicht in Verbindung bringen würde. Wenn Sie Lakritze, Seetang oder Jod schmecken, dann ist das so. Dies alles sind Begriffe, mit denen der Geschmack, und der Geruch, eines Whiskys beschrieben werden.

Was am Ende übrig bleibt – das Finishing

Beim Whisky-Tasting ist es nicht nur erlaubt, sondern sogar ein wichtiger Bestandteil, wenn man Whisky richtig verkosten will, dass man das Getränk auch herunterschluckt. Sie werden zwar auch kleine Behälter in den Brennereien und Workshops finden, in die Sie die Reste hineinspucken können, aber dann verpassen Sie das Wichtigste – das Finishing.

Wie und wie lange ein Whisky nachklingt ist der letzte Schritt bei einer Verkostung. Findet der Genuss ein schnelles Ende, oder hallt der Whisky noch eine Zeitlang nach? Ist der Abgang kurz oder lang? Haben Sie ein weiches, cremiges Gefühl im Mund, oder ist es eher trocken, gar staubig? Welche Aromen bleiben zurück, wenn der Whisky schon den Weg in den Magen gefunden hat?

Expertentipps zum Whisky-Tasting

Ist ihr Whiskyglas nun leer? Dann ist das Tasting beendet bzw. sie gehen zum nächsten Dram über. Doch, wir haben noch zwei Tipps für Sie. Den ersten Tipp müssen Sie ehe das Glas ausgetrunken ist, anwenden, den zweiten danach.

Also, hier ist unser erster Expertentipp: Verdünnen Sie den Whisky nach dem ersten Geschmackstest mit ein paar wenigen Tropfen Wasser. Am besten nimmt man dafür eine Pipette und ein stilles, mineralarmes Wasser, wie unser Trinkwasser aus der Leitung. Durch die Verdünnung des Whiskys kitzelt man oft noch einmal ein paar Aromen und Geschmacksnoten heraus, die in der abgefüllten Trinkstärke nicht spürbar waren. Erfahren Sie mehr zum Whisky verdünnen in unserem detaillierten Artikel.

Den zweiten Expertentipp kannten wir so auch noch nicht, haben ihn aber schon ausprobiert. Doch, wir wollen nicht vorgreifen. Drehen Sie das Glas nachdem Sie es ausgetrunken haben um, oder decken Sie es mit einem Stück Karton, ein Bierdeckel geht auch, ab. Es sind noch ein paar Tropfen drin, die nun circa fünf Minuten Zeit bekommen, nochmals Aromen freizusetzen. Der Alkohol bzw. die Fuselöle haben sich nach dem Whisky-Tasting komplett verflüchtigt. Nach den fünf Minuten, in denen Sie gern mit den anderen Tasting-Beteiligten oder Ihren Freunden über das eben Erlebte und Erschmeckte reden können, riechen Sie noch einmal am Glas. Hat sich der Whisky verändert?

Whisky-Tasting zu Hause

Haben Sie jetzt Lust bekommen, selbst einmal an einem Whisky-Tasting teilzunehmen? Oder wollen Sie gar selbst eines für Ihre Freunde oder die Familie ausrichten? Dann müssen Sie nicht nur wissen, wie man Whisky richtig verkostet, sondern auch für das Drumherum sorgen. Sie benötigen die richtigen Gläser, eine gute Auswahl und Reihenfolge der Whiskys, müssen auf die perfekte Temperatur achten und für Begleiter wie Häppchen, Brot und Wasser sorgen. Das ist eine ganze Menge, an was Sie da denken müssen. Deswegen wollen wir Ihnen auch dazu viele Tipps für das perfekte Whisky-Tasting mit Freunden geben. Im nächsten Blogbeitrag.

Das Wichtigste zum Schluss

Bei all den Erläuterungen, wie man Whisky richtig verkostet, den kleinen Kniffen und Tricks haben wir fast das Wichtigste nicht erwähnt. Vergessen Sie niemals „Prost“ zu sagen, ehe Sie das Glas zum Mund führen. Wenn Sie irischen oder schottischen Whisk(e)y verkosten, dann darf es auch gern in der uralten Landessprache der Whiskyerfinder sein. In diesem Sinne: „Slainte Mhath“!


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