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Wann und warum man Whisky mit Wasser verdünnen sollte?

Wenige Tropfen Quellwasser zum Whisky dazugeben.

Die Frage, wie man Whisky richtig trinkt, ist eine Frage des Geschmacks. Whiskey „On The Rocks“ aus einem Tumbler, pur, als Longdrink oder Cocktail – erlaubt ist, im Grunde, was gefällt. Doch vor allem Single Malt-Liebhaber schwören auf einen speziellen Kniff, um noch mehr Aromen aus dem Uisge Beatha, dem Wasser des Lebens, heraus zu kitzeln: sie verdünnen den Whisky mit Wasser. Was ist dran an diesem Geheimtipp? Warum soll man Whisky mit Wasser verdünnen? Ist es wichtig, wie viel und welches Wasser man zum Mischen nimmt? Wir gehen dem Geschmacksgeheimnis auf den Grund.

Whisky mit oder ohne Wasser trinken?

Über die Frage, ob man Whisky mit Wasser verdünnen oder immer pur trinken sollte, wird in Expertenrunden immer wieder gern gestritten. Fakt ist, dass die meisten Whiskys sowieso schon mit Wasser verdünnt sind, um sie auf eine angenehme Trinkstärke zu bringen. Zur Reifung kommt das Destillat nämlich mit einem Alkoholgehalt jenseits der 60 Volumenprozent in die Fässer. Nach der Lagerung wird der feine Brand dann mit Wasser verdünnt, um Trinkstärken zwischen 40 und 46 Prozent zu erreichen. Wer also einen ganz normalen Whisky genießt, trinkt diesen schon verdünnt. Anders sieht es bei Cask Strength Whisky aus. Dieser kommt in Fassstärke in die Flaschen. Hier kommt das Wasser ins Spiel, wenn man diesen zuhause genießen will.

Cask Strength Whisky mit Wasser verdünnen

Ein Whisky in Fassstärke hat meist nicht mehr über 60 Volumenprozent, aber immerhin noch zwischen 50 und 60. Das ist für die meisten Whisky-Trinker eine Trinkstärke, bei der die Geschmacksknospen auf der Zunge und im Mundraum zu einem gewissen Maße durch den hohen Alkoholanteil betäubt werden. Das Resultat können Sie sich sicher denken: das Geschmacksempfinden wird stark beeinträchtigt, die Aromen, die nur ein Prozent der Wasser-Alkoholmischung und damit den Whisky ausmachen, können nicht in dem Maße wahrgenommen werden, wie sie es sollten. Ein paar Tropfen Wasser helfen, den Whisky aufzuschließen. Zum einen werden Sie damit den brennenden Alkoholgeschmack etwas reduzieren, zum anderen den Aromen die Möglichkeit geben, sich etwas besser zu entfalten. Die Zugabe von Wasser erhöht die Konzentration der Aromastoffe an der Oberfläche des Whiskys.

Dadurch werden Sie schon beim Nosing bemerken, wie sich der verdünnte Whisky vom pur genossenen unterscheidet. Auf der Zunge und am Gaumen setzt sich die verstärkte Aromenwahrnehmung dann fort.

Doch bedenken Sie, wir reden hier nicht davon, den Whisky zu verwässern. Kein großer Schluck Wasser kommt ins Glas, auch keine Eiswürfel, die zusätzlich durch die Kälte genau das Gegenteil bewirken, die Aromen nämlich bremsen, sondern wirklich nur ein paar Tropfen. Es geht also nicht darum, dass der feine Single Malt im wahrsten Sinne des Wortes verdünnt wird, sondern lediglich darum, die Trinkstärke minimal zu reduzieren, um den Aromen mehr Möglichkeiten der Entfaltung zu geben.

Kann man auch anderen Whisky mit Wasser mischen?

Gut, bei Whisky in Fassstärke macht es also Sinn, dem goldenen Brand mit etwas Wasser auf die Sprünge zu helfen, Doch in immer mehr Tastings sieht man auch bei Trinkstärken zwischen 38 und 43 Prozent die Whisky-Trinker schon zum Wasserkrug schielen. Macht es Sinn, jeden Whisky noch mit ein paar Tropfen Wasser aufzuschließen? Darauf gibt es eine ganz einfache Antwort: Nein!

Es ist völlig übertrieben, jetzt jedem Whisky eine Portion Wasser zu verpassen. Die Blender haben sich schon einiges dabei gedacht, wenn sie den Whisky in verschiedenen Volumenprozent-Abfüllungen anbieten. Mischen Sie einem 40-prozentigen Single Malt noch Wasser unter, können Sie mitunter sogar das Gegenteil bewirken. Der Whisky wird flacher, verliert an Kraft und Ausdrucksstärke. Die Aromen werden breiter, aber auch diffuser, unpräziser. Aus dem speziell komponierten Genuss, den der Blender der Brennerei in die Flasche gebracht hat, kann so ein unstrukturiertes, flaches Erlebnis werden.

Merke: Cask Strength Whisky kann und sollte man mit ein paar Tropfen Wasser verdünnen, um die Aromen besser aufzuschließen. Whisky in Trinkstärken zwischen 37,5 und 43 Prozent sind in den meisten Fällen schon optimal verdünnt, und verlieren durch zusätzliche Beigabe von Wasser mehr als sie gewinnen.

Welches Wasser nimmt man zum Verdünnen von Whisky?

Ehe wir uns der Frage widmen, wie viel Wasser genau nun in einen Whisky getröpfelt werden soll, soll noch erläutert werden, welches Wasser man zum Whisky verdünnen verwenden sollte. Soll es Heilwasser sein, stark ionisiertes Wasser aus der Leitung oder gar Sodawasser, mit dem so mancher Filmheld seinen Whiskey genießt? Die Schotten haben es da ganz einfach. Ihr Wasser liegt in tausenden Quellen direkt vor der Haustür. Hierzulande muss man ein klein wenig genauer hinschauen, will man das richtige Wasser zum Aufschließen des Whiskys finden.

Wichtig ist, dass das Wasser sehr wenige Mineralien enthält. Das ist auch das, was das Quellwasser in Schottland auszeichnet. Es wird auf seinem Weg von der Quelle durch viel Sandstein und Granit gefiltert. Ganz anders sieht es oft bei unserem Trinkwasser aus dem Hahn aus. In Berlin beispielsweise ist das Leitungswasser relativ stark mineralhaltig und sollte so nicht für den Whisky verwendet werden. Wollen Sie Leitungswasser nehmen, dann informieren Sie sich also am besten bei den zuständigen Wasserwerken über die Zusammensetzung Ihres Trinkwassers.

Auf der sicheren Seite, um den Geschmack des Whiskys nicht mit einem Heilwasser mit viel Mineralien zu zerstören, sind Sie, wenn sie stark de-ionisiertes bzw. destilliertes Wasser zum Verdünnen des Whiskys verwenden. Aber natürlich geht auch stilles Wasser aus der Flasche. Achten Sie darauf, dass vor allem sehr wenig Salze und Hydrogencarbonat enthalten sind. Geeignet sind neben dem Klassiker Highland Spring, den es auch in so manchen Whisky-Sets gleich in einem kleinen Fläschchen mitgeliefert gibt, zum Beispiel französische Wasser wie Evian, Vittel oder Volvic.

Wie viel Wasser darf es sein?

Um der Frage nachzugehen, wie viel Wasser nun in einen Whisky gehört, um mehr aus ihm heraus zu kitzeln, machen wir einen kleinen Ausflug in die Chemie.

Björn Karlson und Ran Friedman, zwei Chemiker, die gar nicht so gerne Whisky trinken, aber sehr neugierig waren, haben die Wirkung von Wasser im Whisky genauer untersucht. Dabei haben sie im Besonderen die Wirkung des Pflanzenstoffes Guajacol unter die Lupe genommen. Das ist eines der Phenole, die bei der Lagerung im Holzfass dafür verantwortlich sind, dass der Whisky seinen rauchigen Geschmack bekommt. Dieses kleine Molekül liebt Wasser und hasst es gleichzeitig.

Die Forscher fanden heraus, dass der halbflüchtige Aromastoff bei einer Trinkstärke von 27 bis 45 Prozent in der Nähe der Oberfläche des Glases befindet. Bei höheren Stärken sinkt er weiter nach unten. An der Oberfläche nehmen wir den Geruch und den Geschmack eines Whiskys besonders gut wahr. Dem Whisky also etwas Wasser hinzuzufügen, kann den Geschmack beeinflussen und verstärken. Zuviel Wasser allerdings bewirkt das Gegenteil. Die Konzentration des Aromastoffs wird zu gering, der Whisky verwässert. Das gilt übrigens auch für viele andere Aromastoffe, wie zum Beispiel für Vanillin.

Regel: Verdünnen Sie Ihren Whisky also nur mit wenigen Tropfen Wasser und tasten Sie sich an die optimale Menge heran. Eine Faustregel für Whiskys mit einer Trinkstärke von 46 bis 48 Prozent ist, dass 3 bis 4 Tropfen aus einer Pipette auf 4 cl völlig ausreichen. Alternativ gibt es auch spezielle Whisky-Löffel

Im Internet finden Sie zahlreiche Whisky-Verdünnungs-Apps, mit denen Sie berechnen können, wie viel Wasser Sie welchem Whisky hinzufügen sollten. Wir empfehlen aber, es einfach auszuprobieren. Jeder hat einen anderen Geschmack und auch beim Verdünnen gilt der Grundsatz: Erlaubt ist, was gefällt.

Und nun wünschen wir Ihnen viel Freude beim Ausprobieren und wie immer ein Fingerbreit Whisky im Glas.


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