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Welches Whiskyglas nimmt man für welchen Whisky?

Whisky-Tasting mit Nosing Glas.

Ein harter Kerl steht lässig angelehnt an der Theke, in der Hand hält er einen Tumbler mit einer goldgelben Flüssigkeit. Eiswürfel klimpern und der Held blinzelt charmant einer Dame am gegenüberliegenden Tisch zu. So muss man Whisky trinken, oder etwa nicht! Wie würde es auch aussehen, wenn unser Held mit spitzen Fingern ein schön geschwungenes, tulpenförmiges Glas in der Hand hielte, genüsslich daran röche und einen winzigen Schluck seine Zunge umspielen lassen würde? Da ist der Martini, geschüttelt nicht gerührt, ja männlicher! Doch geht es beim Whisky-Trinken darum, der beste Cowboy in Town zu sein? Nein, denn an erster Stelle geht es um den Genuss. Doch, aus welchem Glas trinkt man Whisky denn nun? Darf es der dickwandige Tumbler sein, oder muss man zwingend ein Nosing-Glas oder Glencairn sein? Wir versuchen an dieser Stelle einmal Licht ins Dunkel der Whisky-Gläser zubringen.

Die Suche nach dem perfekten Whiskyglas

An der Suche nach dem perfekten Whiskyglas haben sich schon so ziemlich alle Whiskykenner beteiligt, und so ziemlich alle sind auch daran gescheitert. Es geht nämlich beim Whisky-Trinken um den Geschmack, und dieser ist bekanntlich ja verschieden. Während also Christian seinen Bourbon auf Eis in einem dicken kurzen Glas ohne Stil (nicht ohne Stiel!) genießt, hält Robert seine Nase erst einmal schnüffelnd über die schmale Öffnung seines tulpenförmigen Kelches mit Stil. Petra zieht ihren Whisky-Cocktail aus dem Longdrink-Glas durch einen Strohhalm in den Gaumen und Sabine lässt die Aromen sich erst einmal entfalten, indem sie den Single Malt ein wenig im Cognac-Schwenker seine Runden drehen lässt. Wer hat jetzt das perfekte Whisky-Glas in der Hand?

Die Antwort mag verblüffen, aber irgendwie hat jeder unserer Vier für sich genau das richtige Glas für seinen Whisky gefunden. Der eine mag eisgekühlten Jack Daniels uns trinkt ihn aus dem dazu passenden Tumbler. Der nächste genießt einen feinen Speyside-Whisky. Petra genießt den Whiskycocktail aus dem dafür perfekten Glas und unsere Sabine schenkt unkonventionell ihren Irish Whisky im Cognac-Schwenker. Ok, sie hat vielleicht wirklich nicht das richtige Glas in der Hand. Erlaubt ist, was gefällt doch ein paar Konventionen gibt es dennoch. Nicht jeder Whisky verträgt sich mit jedem Glas, denn die unterschiedlichen Formen beeinflussen die Aromaentfaltung.

Die verschiedenen Whiskygläser kurz vorgestellt

Die oben erwähnten zwei verschiedenen Gläser, der straighte Whisky Tumbler und das zarte Nosing Glas sind die beiden bekanntesten und am häufigsten benutzten Whisky-Gläser. Doch gibt es mittlerweile auch Abwandlungen des dicken Tumblers und ein spezielles Glas, welches ausschließlich nur für den Whiskygenuss entwickelt wurde. Außerdem kann man Whisky auch gern aus anderen Gläsern, vorzugsweise Tulpen mit und ohne Stil trinken. Ganz davon abgesehen, dass der Ire weit draußen in der wunderschönen Natur seines Landes, den Whiskey eben einfach daraus trinkt, was er gerade zur Hand hat. Doch, ehe wir zu weiteren Trinkgewohnheiten kommen, stellen wir die verschiedenen Whisky-Gläser erst einmal vor.

Der Whisky-Tumbler

Der Whisk(e)y Tumbler ist der Klassiker schlechthin. Dieses Glas kennen wir in den Händen amerikanischer Filmstars. Robust, zylindrisch, mit dicken Wänden und extra dickem Boden hält es den Bourbon der Stars lange kühl. Und genau das sollte in den Tumbler auch hinein: ein Bourbon, gern auch mit Eis, wer es mag, denn die dicken Wände und der Boden lassen keine große Wärmezufuhr zu, sodass das Eis lange hält und den Whiskey nicht zu sehr verwässert. Es geht aber auch ein Scotch, aber ein Blend bitte, kein Single Malt.

Der Tumbler mit seiner großen Öffnung ist für den Genuss eines Single Malts, dessen Aromen sich schnell verflüchtigen nicht geeignet. So kommen die ganzen wunderbaren Düfte und komplexen Noten gar nicht in der Nase an. Und die Nase trinkt beim Whisky immer mit. An warmen Sommerabenden aber einen guten Blended Whisky daraus zu trinken, ist völlig in Ordnung.

Die neue Variante des Tumbler

Mittlerweile gibt es aber auch beim Tumbler eine Weiterentwicklung. Normann und Villeroy und Boch haben Tumbler auf den Markt gebracht, die nach oben hin etwas zulaufen, sich also etwas verengen. So fangen sich die Aromen noch ein wenig länger. Sie gelangen zu einem gewissen Teil dann auch in die Nase und fliegen nicht links und rechts an den Nasenlöchern vorbei. Aber einen Nachteil hat auch diese Neuentwicklung noch: das Glas erwärmt sich durch die Hände trotzdem, was einem Single Malt einfach nicht gut tut. 

Eine Auswahl schöner Whisky-Tumbler haben wir dir hier zusammengestellt.

Das Nosing Glas

Nosing-Gläser sieht man vor allem bei Whisky-Verkostungen. Bei einem Whisky-Tasting ist das tulpenförmige Glas mit seinem dicken Bauch und dem hohen schmalen Hals genau das Richtige. Die Aromen des Whiskys können sich hier bestens entfalten. Etwas, was man bei einem starken, kräftigen Bourbon mit satten Holznoten vielleicht gar nicht wirklich will. Doch für den Genuss exzellenter Single Malts aus Schottland und Irland ist ein Nosing-Glas perfekt. Nosing Gläser haben einen kurzen Stiel, an dem man sie festhält. So können die Hände den Whisky nicht so schnell erwärmen, die Aromen bleiben länger gebündelt im Glas. Fernab von Whisky-Tastings, die wohl gegenüber dem Genuss eines feinen Brandes in der Freizeit viel seltener sind, ist diese Glasform für den Genießer von Single Malts die richtige Wahl. 

Glencairn Glas

Nosing-Gläser präsentieren den Whisky mit Stiel und Stil. Wahre Whisky-Kenner, die keinen Bourbon bevorzugen oder irische, besonders leichten Whisky einfach aus dem Tumbler trinken, genießen ihren Brand aus einem Nosing-Glas ohne Stiel. Diese besondere Form nennt sich Glencairn. Das Glencairn-Glas ist ebenso tulpenförmig geformt wie ein Nosing-Glas, hat aber statt eines feinen Stiels einen dicken, abgesetzten Fuß. Der liegt gut in der Hand, die den Whisky dadurch aber nicht erwärmt. 

Erfunden wurde das Glencairn-Glas schon im Jahr 1970 von Raymond Davidson. Doch erst seine Söhne holten 2001 das Konzept des perfekten Whisky-Glases wieder aus der Schublade. Das Glencairn wird bei allen offiziellen Whisky-Tastings als Standardglas verwendet und die Scitch Whisky Association empfiehlt es eindringlich. Alle würzigen, komplexen, jahrelang gereiften und auch torfige Whiskys schmecken aus dem Glencairn optimal. 

Eine Auswahl an Nosing- und Glencairn-Gläsern haben wir dir hier zusammengestellt.

Andere Gläser mit Stiel

Was ist nun eigentlich aus Sabine und ihrem Cognac-Schwenker geworden? Dieses Glas hat doch auch einen schönen dicken Bauch, verjüngt sich nach oben hin und sitzt auf einem Stiel, so dass der Whisky sich nicht zu schnell erwärmt? Hat sie dennoch das falsche Glas, wie wir eingangs kurz anmerkten? Der Cognac-Schwenker hat, ebenso wie Weingläser (ja, es soll schon Menschen gegeben haben, die Whisky in Weingläser einschenkten), eine viel zu weite Öffnung. Das Destillat breitet sich auf einer großen Oberfläche aus. Das bringt mit sich, dass sich die Aromen unglaublich schnell entfalten, aber sie werden durch die Verjüngung nach oben wieder gebremst. Den Effekt spüren Sie in der Nase. Dort nämlich explodieren die Whisky-Aromen nämlich nahezu und überfordern das sensible Sinnesorgan, Allerdings kann es nicht schaden, mal einen leichten irischen Whisky in solch einem Glas zu probieren. Berichten Sie uns dann bitte darüber.

Was passiert, wenn man Whisky aus dem falschen Glas trinkt?

Gut, wir haben gelernt, welchen Whisky man aus welchem Glas trinken sollte. Doch, was, wenn man sich nicht daran hält? Natürlich werden Sie nicht aus der Gemeinschaft der Whisky-Trinker ausgeschlossen. Es werden auch nicht alle Flaschen in Ihrem Regal explodieren und die Whisky-Händler Ihnen den Zutritt zu ihren Geschäften verbieten.

Was aber durchaus passieren kann, ist, dass Sie sich selbst um ein intensives Geschmackserlebnis bringen. Testen Sie doch einmal, vielleicht mit Freunden in einer geselligen Runde, wie unterschiedlich Whisky aus verschiedenen Gläsern schmecken kann. Veranstalten Sie ein Whisky-Tasting. Suchen Sie sich drei, maximal vier sehr unterschiedliche Whiskys aus und trinken Sie diese jeweils aus einem Tumbler, einem Nosing-Glas und einem Cognac-Schwenker. Mehr Gläsertypen brauchen Sie nicht, der Alkoholkonsum würde sonst zu hoch werden.

Wir wünschen einen angenehmen Abend und immer eine Handbreit Whisky im Glas!


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